Eventomanie ist kleinlich und provinziell | Andreas Gottlieb Hempel zur geplanten Umgestaltung des Hofburggartens

Der Hofburggarten soll nach den bisher bekannten Überlegungen durch einen Schweizer-Eventspezialisten – schon das Wort lässt Böses ahnen! – in zwei Stufen umgeplant werden: erst eine Apfelwelt mit einem Big-Apple als Zentrum, dann eine Wasserwelt – alles mit großem „Spaß-Faktor“ für Jung&Alt wie es heute nach dem Vorbild von Disney-Land allerweltsüblich geworden ist. Never a dull moment – nur keine Langeweile, keine Ruhe, immer action, bloß nicht zur Besinnung kommen, Nachdenken ist unerwünscht. Den Big-Mac-Apple mag man sich so vorstellen, wie die Kioske in Fliegenpilzform, wie sie früher auf Jahrmärkten und Gartenausstellungen anzutreffen waren.

Die Bischofsstadt Brixen ist über ein Jahrtausend alt. Die Hofburg von Hans Reichle und anderen berühmten Baumeistern und groß denkenden Fürstbischöfen als Bauherren der Renaissance und des frühen Barock bildet mit ihren Gartenanlagen, dem Herrengarten und dem Hofgarten ein Ensemble von europäischem Rang, das in dieser – vor allem bei den Gärten – noch vollständig erhaltenen Form  einzigartig ist. Die meisten Beispiele dieser Art sind inzwischen ihrer Gärten verlustig gegangen, weil sie als Bauflächen im Altstadtrahmen verwendet wurden. Mit diesem Bestand ist sorgfältig und sensibel umzugehen. Kurzatmige Lösungen im Sinne des heutigen Event-Rummels allerorten werden nur peinlich wirken und rasch überholt sein.

Welchen Funktion und welche Form hatte einst der Hofburggarten bevor er zu einer Apfelplantage umgewandelt wurde?

Er diente den Fürstbischöfen und ihrer Entourage als Erholungs- und Meditationsgarten in dem man versuchte im Einklang mit einem abgegrenzten und geschützten Freiraum zur Ruhe zu kommen, zu meditieren, zu beten oder in kultivierter Form zusammen zu sein, Gespräche zu führen, den Geist frei werden zu lassen. Dafür haben die Fürstbischöfe bei ihrem sonstigen Hang zur Prachtentfaltung eine ganz einfach Lösung für den Hofburggarten gefunden: 

  • Zwei Pavillons in der umgebenden Gartenmauer als Treffpunkte für ungestörtes Beisammensein und als Wetterschutz.
  • Eine dem Gedanken des mönchischen Kreuzgangs folgende weinlaubbekränzte Pergola, unter der man im Schatten wandeln konnte und die entlang der Mauern U-förmig zu den Pavillons hinführte.
  • Die übrige Fläche war eine Wiese, die mit Obstbäumen bestanden war – Blüte, Reifen und Früchte – das war alles.

Mehr brauchte man nicht für einen großzügigen Kulturlandschaftsgarten, der sich ganz der barocken Fassade der Hofburg unterordnete. Damit stellte der Hofburggarten eine eigene, ganz besondere Alternative zu den französischen und englischen Gärten seiner Zeit dar. Diese Sonderstellung gilt es wiederzugewinnen.

Eine Imitation heute üblicher Eventplätze ist fehl am Platze und wird in seiner kleinbürgerlichen Großmannssucht es anderen gleich zu tun nur provinziell wirken – provinziell ist auch der horror vacui, der heute bei der Planung von Freiflächen (Parks, Fußgängerzonen usw.) oft zu beobachten ist. Ein solches Beispiel hat sich Brixen bereits mit der kleinlichen Ausgestaltung des Großen Grabens mit mickrigen Bäumen, einer kläglichen Wasserrinne, zwei deplazierten Brunnen und allerlei Möblierungsgerümpel bereits geleistet – deshalb soll sie ja jetzt, bereits nach wenigen Jahren, wieder umgestaltet werden (wer erinnert sich nicht mit Trauer der schönen Allee früherer Jahre im Großen Graben?). Ähnliches kann man über die Gestaltung des Domplatzes sagen – vor allem wenn der unglaublich hässliche Musikpavillon im Sommer dort den Stadtraum verunstaltet.  

 

Eventisierung um jeden Preis? Immer? Überall?

Dieses Schicksal wollen wir dem Hofburggarten ersparen. Es muss das Motto gelten: Weniger ist Mehr. Die Nutzung soll nur den Besuchern der Hofburg zusätzlich zur Eintrittskarte möglich sein. So kann Vandalismus verhindert werden und der Hofburggarten wird nur soviel Besucher dabei aufnehmen wie es ihm zuträglich ist. Im übrigen wird diese Lösung gegenüber dem Big-Mac-Apple-Fun&Eventpark die preiswerteste Lösung sein – sowohl im Ausbau als auch im Unterhalt.

Andreas Gottlieb Hempel

Email: hempel(at)agh.bz

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