Wo kann man Ensembleschutz besser darstellen und gestalten als im Umfeld der Fürstbischöflichen Burg in Brixen?

Nichts gegen Schweizer Fachleute, aber hat die Gemeinde Brixen wirklich einen guten Griff getan, indem sie einem Eventmanager den Auftrag für die Gestaltung des Hofburggartens erteilte? Wir wissen, dass auch Fachleute bestimmten politischen Vorgaben folgen müssen.

Nun gut, wir haben einen Vorschlag. Dieser fordert aber die Brixner Bürgerschaft geradezu heraus, eine kritische Bewertung vorzunehmen. Die Bedeutung der Hofburg mit dem angeschlossenen Gartenareal ist eine überörtliche und daher ist die Gestaltung ebenfalls von Landesinteresse. Die Gestaltung und Zweckbestimmung des Hofburggartens sind eine große Herausforderung, gleichzeitig aber auch eine große Chance, der Öffentlichkeit zu beweisen, wie ernst es die Verantwortlichen mit dem Ensembleschutz nehmen, wenn’s drauf ankommt. Wo kann man Ensembleschutz besser darstellen und gestalten als im Umfeld der Fürstbischöflichen Burg?

Mit Begeisterung unterstütze ich die Initiative „Pro Pomarium“, den Hofburggarten als beschauliche Ruheoase und als Streuobstgarten der Bevölkerung zu öffnen. Eine vitale Stadt braucht beides: Orte des Schaffens und der Unterhaltung einerseits, andererseits aber auch Orte der Ruhe und Erholung. Man würde auch mit einer würdigen Tradition brechen, wollte man den Hofburggarten in einen seelenlosen „Luna Park“ oder in einen kitschigen „Eventzirkus“ umwandeln. Will man den Bürgern tatsächlich zumuten, dafür auch noch kräftig blechen zu müssen? Natürlich: wer viel Geld investiert, will auch, dass dieses wieder zurückkommt.

Wenn man im Hofburggarten unbedingt spielen will, hätte ich folgenden Vorschlag: Kardinal Nikolaus Cusanus, Fürstbischof von Brixen (1450 – 1464) meinte mit seinem „De ludo globi“ sicher nicht, dass in diesem Garten einmal die ganze Welt spielen bzw. „Events“ feiern soll. Vielleicht findet sich im neuen Streuobstgarten ein Platz, das Globusspiel des Cusanus, des Mannes von Kues an der Mosel,  anzubringen und neben den Äpfeln auch ein wenig geistige Nahrung zu verabreichen.*

Pius Leitner

 

*Zur Erklärung:
 Da der Entwicklungsweg des Menschen in seine Freiheit gestellt ist, muß der Mensch über diesen Weg im Ganzen sich Rechenschaft ablegen. Vom Globusspiel / De ludo globi, welches eines der Spätwerke des Nikolaus von Kues darstellt (1462), behandelt vor diesem Hintergrund die Beziehung zwischen Menschen und menschlichem Leben sowie der Natur zu Gott. In diesem „spielerischen“ Werk des Philosophen werden Wahrheiten in Form eines Denkspiels dargestellt. Das Spiel an sich, welches Cusanus selbst entwickelte, besteht aus einem Spielplan und einer Kugel. Der Spielplan, welcher auf den Boden gezeichnet ist, besteht aus 9 Kreisen, von denen jeder eine andere Geistesstufe darstellt. Mit den Kreisen, welche u.a. die neun Engelshierarchien, wie sie Ps.-Dionysius Areopagita in seinem Werk Über die himmlische Hierarchie schildert, symbolisieren, kommt auch das mittelalterliche Aufstiegsschema der Seele zu Gott in den Blick. Mit einer auf der einen Seite ausgehöhlten Kugel muß der Spieler versuchen, sich der Mitte der Kreise anzunähern, welche die höchste Geistesstufe, hier das Einswerden mit Christi, darstellt. Durch die Aushöhlung – der Mensch ist kein perfektes Wesen – verfolgt der Wurf keine gerade Bahn, sondern bewegt sich spiralförmig in immer kleiner werdenden Kreisen, bis die Kugel schließlich auf einem der Kreise zum Stillstand kommt. Dieses Verhalten der Kugel erschwert es dem Spieler, den Wurf vorauszusagen. Der Wurf ist, wie das Leben selbst, so scheint es, mehr oder weniger dem Zufall überlassen – obwohl auf der einen Seite makellos rund, verläuft seine Bahn chaotisch und wahllos. Doch zeigt die Spiralbewegung als Ineinsfall von gerader und kreisförmiger Bewegung, daß die Bahn durch die Individualität der Kugel bestimmt ist. Der Zusammenfall der Ordnung und des Chaos in der Freiheit wird deutlich. Während mittelalterliche Aufstiegsschemata Schritt für Schritt zu Gott emporstiegen, liegen im Weg des Cusanus je einzelne, existentielle, der Individualität verpflichtete Würfe, die sich gleichwohl auf ihre Weise in die Ordnung einfügen. Das Spiel zeigt, wie sich Geschehnisse in der Welt nicht vorhersehen lassen und sich immer neu zusammensetzen. (aus dem weltweiten Netz übernommen)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s