Vorentscheidungen ohne Diskussion | Lange nicht alle Gäste suchen Erlebnisparks

Als Vorsitzender des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz und als unabhängiger Gemeinderat unterstütze ich sowohl die Gründung eines Bürgerkomitees zum Schutz des Hofburggartens als auch den Wunsch der Initiative Pro Pomarium nach einer sanften Erschließung und Öffnung des Hofburggartens.

Der Gedanke ist nicht ganz neu: vor 10 Jahren verwiesen wir bereits als Umweltbund Brixen auf den öffentlich zugänglichen Hofburggarten in Innsbruck und forderten dementsprechend auch für den als „öffentliches Grün“ im Bauleitplan eingetragenen Brixner Hofburggarten die Öffnung. Als im Jahre 2008 endlich der Vertrag zwischen der Kurie und der Gemeinde Brixen unterzeichnet wurde, hofften wir natürlich, dass der Garten baldmöglichst für die Bevölkerung nutzbar wäre und seiner urspünglichen Bedeutung gemäß wieder als echtes Pomarium restauriert würde. In den 80-iger Jahren hatte der Pächter (Vinzentinum) nämlich einen Großteil der alten Obstbaumbestände durch kleinwüchsige Mono-Obstkulturen ersetzt, um den wirtschaftlichen Nutzen des Gartens zu erhöhen. 

Unsere Vorstellung war, dass man die alten, zum Teil in Vergessenheit geratenen Streuobstsorten wieder einpflanzen, eine Obstwiese anlegen und den Garten der Bevölkerung zugänglich machen würde. Mit ein paar Kieswegen und Bänken hätte ein wunderschöner traditionsreicher, öffentlicher Park entstehen können, der – gleich wie in Innsbruck – tagsüber geöffnet und in den Nachtstunden geschlossen würde. Es wäre eine einfache, kostengünstige und relativ schnell realisierbare Lösung gewesen.

Leider wurde daraus nichts, schlimmer noch:  stattdessen ließ man vom Büro Steiner Sarnen Schweiz für den Hofburggarten eine Art Disneyland planen und ein über 70.000 € teures, vorwiegend auf den Tourismus ausgerichtetes Projekt rund um den Apfel ausarbeiten. Diese Entscheidung fiel ohne vorherige Diskussion im Gemeinderat und ohne die Überlegung, dass der denkmalgeschützte Hofburggarten in erster Linie doch den Brixner Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stehen sollte und dass durchaus nicht alle Touristen auf der Suche nach einem Erlebnispark sind – vor allem nicht die soviel gepriesenen Qualitätstouristen!

Nachdem die Gemeindeverwaltung mittlerweile ca. 70.000 € an den Projektanten und 50.000 € an Miete für den seit zwei Jahren ungenutzten Hofburggarten an die Diozöse Bozen – Brixenbezahlt hat, ist sie auf den Unmut der Bevölkerung aufmerksam geworden. Da sich anscheinend auch der Landeshauptmann gegen das Apfelprojekt ausgesprochen hat, wartete Steiner Sarnen Schweiz mit einer neuen, ebenso inakzeptablen Inszenierung des Hofburggartens als “ Wasserwelt“ auf. Eine dritte Projektvariante soll ökologisch nachhaltig sein – es ist schon erstaunlich, dass man heutzutage überhaupt noch über „nicht ökologische Varianten“ nachdenkt, geschweige denn Geld und Zeit dafür verschwendet.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich nach so viel verlorener Zeit und verschwendetem Geld die Gemeindeverwaltung nun doch noch auf eine bürgerfreundliche und etwas zurückhaltendere Nutzung des Hofburggartens einlässt.

 Klauspeter Dissinger

(Unabhängiger Gemeinderat, Vorsitzender des Dachverbands für Natur und Umweltschutz Südtirol )

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s