Geschichte

Die Gärten der Fürstbischöflichen Hofburg in Brixen.

Das weltliche Repräsentationsbedürfnis  der Fürstbischöfe von Brixen führte im 16. Jahrhundert zum Ausbau der Hofburg zu einer Renaissanceresidenz nach dem Vorbild italienischer  Fürstenhöfe. Zu einer solchen Anlage gehörten nicht nur ein Mittelhof mit Loggiengängen und ein Theater sondern wesentlich auch die ausgedehnten Gärten.

Der nach italienischer Manier gestaltete  Ziergarten (Herrengarten) an der Nordseite der Hofburg zwischen dem  Wassergraben, der mittelalterlichen Stadtmauer im Westen und dem Stadttor im Norden  geht mit Sicherheit auf diese Zeit zurück und zeigt in seiner durch einen Plan von 1831 überlieferten Gestalt mit vier regelmäßig angelegten Beeten um einen zentralen Brunnen mit muschelförmiger Bronzeschale noch die Gestaltung der Renaissance. Der Garten entstand zur Zeit des Kardinals Christoph von Madruzzo und seines Koadjutors , dem späteren Erzbischof Johann Thomas von Spaur. Hofbaumeister Johann Jakob de Quadria verrechnete 1576 die baulichen Maßnahmen. Er hatte wie andere Residenzgärten der Zeit einen Fischkalter, ein Sommerhaus, eine Voliere, eine Orangerie für die Überwinterung nicht winterharter Topfpflanzen wie Pomeranzen, Zitronen, Lorbeer und Zypressen sowie einen Hirschgarten bzw. Hirschställe. Das Sommerhaus war durch einen Säulengang mit der Hofburg verbunden, hatte eine malerische Ausstattung und ist nicht mehr erhalten.


Blick in den Herrengarten und auf die Nordfassade der Hofburg

Im 20.Jahrhundert war die Anlage an eine Gärtnerei verpachtet und nicht mehr von der Hofburg genutzt worden. 1990-1991 wurde der Garten laut einem historischen Plan von 1831  und dem vorhandenen Bestand vom Landesdenkmalamt rekonstruiert und im Stile des Biedermeier mit Gemüse, Kräutern und einer rahmenden Zierpflanzung bepflanzt. Daraufhin übernahm die Stadtgemeinde Brixen den Garten in Pacht und Pflege und machte ihn öffentlich zugänglich.


Ein historischer Plan der Gesamtanlage der fürstbischöflichen Residenz von Brixen

Der ausgedehnte Baumgarten (Pomarium) südlich der Hofburg wird zeitgleich mit dem Umzug des Bischofs vom alten Bischofspalast neben dem Dom in die befestigte Burg an der Südwestecke der Stadt  1268 erstmals erwähnt. Er diente dem bischöflichen Haushalt zur Versorgung mit Obst und dürfte damals bereits das heutige Ausmaß gehabt haben. Die älteste Ansicht, ein Aquarell von M. Burgklechner um 1590 zeigt den Garten mit Ummauerung, je einem zweigeschossigen Turm mit Kegeldach im Südost- und im Südwesteck und einem Bogenzugang vom Süden. Die Gartenflächen haben eine Streupflanzung mit Obstbäumen. Wie anhand der Ansichten des 17. 18. und 19.Jahrhunderts, des Planes von 1831 und des erhaltenen Bestandes nachweisbar, zeugen Grundriss, Ummauerung, Ecktürme, Zugang, Wassergraben und Baumpflanzung in Gestaltung, Funktion und Pflanzung von der einzigartigen Kontinuität der Gartenanlage vom 13. bis ins 21. Jahrhundert die in Europa mittlerweile Seltenheitswert hat.


Das Gartenhaus an der Südmauer der Hofburg

Die Gartenpavillons dienten sommerlichen Aufenthalten und waren Orte der Unterhaltung und Erholung abseits des Arbeits- und Repräsentationsalltags am Hof. Ihre heutige Baugestalt mit Pagoden – und Kuppeldach, die dekorativen Malereien im Inneren sowie die Bezeichnungen Chinesischer und Japanischer  Turm erhielten sie unter Fürstbischof Lodron im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Zeitgleich zur Ausstattung des Chinesischen Kabinetts in der Hofburg zog, die in Europa längst verbreitete Chinamode auch in die Gärten der Brixner Hofburg ein. Räume mit Chinoiserie – Dekorationen fanden von Frankreich ausgehend in Schlösser, Landsitze, Gartenpalais und zunehmend auch in adelige und bürgerliche Stadthäuser Eingang und blieben bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts in Mode.


Der Chinesische Turm an der Süd-West-Ecke des Hofburggartens

Das gewölbte Mittelgeschoß des restaurierten Japanischen Turms wurde um 1815 mit Grünmalereien ausgemalt. Floreale Motive, Füllhörner, Muscheln, Medaillons  und das Wappen Lodrons in der gemalten Scheinkuppel im Gewölbescheitel geben dem Raum die sommerlich – heitere Atmosphäre einer kühlen Laube.


Eine Detailansicht des Inneren des Japanischen Turms


Die Scheinkuppel im Japanischen Turm

Im Obergeschoß öffnet sich der Raum über einer gemauerten Brüstung zwischen rot lackierten Rundsäulen  zum Garten. Die Decke ist mit perspektivischen raumerweiternden Architekturelementen und  zentraler Scheinkuppel  bemalt. Mit dem nicht mehr erhaltenem Sommerhaus im Herrengarten, der dortigen Voliere und Orangerie sind die Pavillons im Baumgarten wesentliche Elemente der Ausstattung der fürstbischöflichen Gärten und gehören zu den Raritäten historischer Gartengebäuden im Lande.

Bei der geplanten „Neugestaltung“ und Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit sind die Denkmalwerte des Baumgartens zu bewahren und müssen die Grundlage für eine neue Nutzung sein. Funktionale und ästhetische Veränderungen müssen hinter die Denkmalqualitäten zurücktreten.

Waltraud Kofler Engl
(aus einer Broschüre des Landesamtes für Denkmalpflege)

(Bitte auf das Bild klicken, wenn Sie die
Broschüre herunterladen wollen – 4 MB)

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