Soliman im Hofburggarten | Sommer-Öffnung mit Mais-Labyrinth

Bericht von der Pressekonferenz am 21.6.2016 (Rathaus Brixen, Gemeinderatssaal)

(ML) Die Gemeinde Brixen, die Tourismus Genossenschaft Brixen und die Verwaltung der Hofburg haben heute bei einer Pressekonferenz in Brixen die so genannte „Sommernutzung“ des Hofburggartens vorgestellt.

Bürgermeister Peter Brunner begrüßte die Anwesenden und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass es zu einer attraktiven Art der Sommernutzung für den Hofburggarten gekommen sei. Das Konzept der Tourismusgenossenschaft sei gut, attraktiv und tragfähig.

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Informationsversammlung der Gemeinde bringt klares Stimmungsbild für eine sanfte Lösung | Faszinierendes Alternativprojekt vorgestellt

Der große Saal der Cusanus-Akademie war gut gefüllt, als die Gemeindeverwaltung heute Abend die zur Zeit auf dem Tisch liegenden Projekte vorstellte. Neben den beiden „Welten“ von Otto Jolias Steiner, der eine Apelwelt und eine Wasserwelt vorstellte, wurden auch alte Pläne von Ermengildo Spagnolli und als angenehme Überraschung des Abends eine Diplomarbeit der Landschaftsarchitektin Eva Maria Schgaguler vorgestellt.


Ein voller Saal unterstrich das Interesse der BrixnerInnen an der Gestaltung des Hofburggartens
(Foto Leonhard Angerer)

Doch der Reihe nach: Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Albert Pürgstaller gab der Direktor des Landwirtschaftsbetriebes der Laimburg und damit auch Direktor der Gärten von Schloss Trauttmannsdorf, Klaus Platter, einen kurzen Einblick in den Werdegang und die Erfolge der einzigartigen Meraner Gärten. Es sollte wohl so etwas wie Trauttmansdorfsche Aufbruchsstimmung in die Bischofstadt getragen werden, die sich anschickt, den Hofburggarten in Besitz zu nehmen.

Danach präsentierte Otto Jolias Steiner seine Überlegungen und kam immer wieder darauf zu sprechen, dass er damit beauftragt worden sei, eine touristische Attraktion für Brixen zu schaffen, was sicherlich der Faktenlage entspricht, im Auditorium aber nicht auf ungeteilte Zustimmung stieß. Die Präsentation der Apfelwelt ging etwas schludrig von statten – und das hat einen Grund: Recht deutlich gab Steiner zu verstehen, dass man bei wichtigen Entscheidungsträgern (diplomatisch, hier die Mehrzahl zu verwenden) gar nichts von einer Apfelwelt in Brixen halte und dass dies deshalb kein Thema mehr sei. Noch schludriger die Präsentation der Wasserwelten, für deren Konzeption nach dem landeshauptmännlichen Apfel-Njet wohl nur sehr wenig Zeit zur Verfügung gestanden hat. Auch blumige Wortschöpfungen im besten Werbesprech konnten darüber nicht hinwegtäuschen.

Die Tatsache, dass Steiner heute die Eröffnungsrede bei der Interpoma in Bozen gehalten hat, lässt einen Schluss zu: Die Apfelwelt wird wohl bald in Angriff genommen. Mit Steiner, dessen Apfel-Visionen die Brixner bezahlt haben, aber nicht in Brixen. In Terlan, vielleicht?

Wohltuend und spannend dann die Präsentation der Diplomarbeit von und durch Eva Maria Schgaguler, die ein durchdachtes, stimmiges und sanftes Gartenbaukonzept für den Hofburggarten vorschlug, das nach einer ersten Analyse auch gartendenkmalpflegerisch durchaus ortsbezogen und realistisch gestaltet ist. Schaguler, die in ihrer fundierten Arbeit das Mass der Stadt aufgenommen hat, zeigte einen organischen Weg auf, der den Garten von der heutigen Apfelmonokultur schrittweise in einen Streuobstbestand überführt, behutsam Sichtachsen öffnet und den Chinesischen und den Japanischen Turm als Café und Laden, bzw. Informationsraum nutzt. Bestechend und ganz in unserem Sinne auch der Vorschlag von Schaguler, im Garten alte Obstsorten zu sammeln und im Südareal des Hofburggarten – außerhalb der Südmauer – einen Baumschule/Gärtnerei für alte und seltene Obstsorten anzulegen und diese dann im Garten einzufpflanzen bzw. auch an Interessierte abzugeben.


So könnte eine Lösung von Eva Maria Schgaguler aussehen: Eine Mischung zwischen dem aktuellen Spalierbestand mit überraschenden Sichtachsen und sich ausdehnende Inseln mit Streuobstbestand. Im Süden der Hofburggarten-Mauer denkt Frau Dr. Schgaguler an eine Baumschule für alte und seltene Obstsorten.

Wir werden versuchen, Planunterlagen von Frau Schgaguler zu bekommen, um ihren Vorschlag an dieser Stelle im Detail vorstellen zu können.

Bürgermeister Albert Pürgstaller oblag es abschließend noch, einige alte Vorschläge von Ermenegildo Spagnolli zu zeigen, wohl mehr ein Pflichtprogramm, um einen breiten Planungsprozess zu veranschaulichen, den es aber bei den Gestaltungsvorschlägen für den Hofburggarten ganz einfach nicht gab.

Die Diskussion zeigte ein sehr selbstbewusstes und kritisches Auditorium, das sich sehr fundiert und intensiv zu Wort meldete und mit wenigen Ausnahmen sehr deutlich für den Vorschlag von Eva Maria Schaguler Partei ergriff. Weniger fundiert die Stellungnahme von zwei Wirten und eines Kaufmanns, die allzu offensichtlich auf eine Freund-Feind-Tourismusleier setzten.

Als wichtige Aussage wurde auch jene von Josef Gelmi gewertet, des Präsidenten der Hofburg. Er berichtete von einem Anruf von Generalvikar Matzneller, der im Namen des Eigentümers des Hofburrgarten drei zentrale Forderungen aufstellte: Der Hofburggarten dürfen kein Lunapark werden und keinen Talferwiesen-Charakter bekommen. Darüber hinaus sei darauf hinzuarbeiten, dass es eine „soluzione condivisa“ werde.

Resümmee: Es war ein spannender Abend mit neuen Erkenntnissen, für die wir uns als Initiative Pro Pomarium wohl auch mindestens ein Lorbeerblatt an den Hut stecken dürfen. Denn Eva Maria Schgaguler wurde sehr kurzfristig eingeladen, vor einigen Tagen erst, als die ersten Pro Pomarium-Mails schon die Runde machten und der bürgermeisterliche Geheimdienst auf die Bewegung an der Bürger-Basis aufmerksam wurde…

Das von Bürgermeister Pürgstaller an den Tag gelegte Tempo dürfte so nicht mehr zu halten sein, in Sachen Hofburggarten wird es keine Schnellschüsse geben. Dieser Umstand wird es erlauben, zu einer „soluzione condivisa“ (Gelmi, Matzneller) zu kommen. Das Schgaguler-Projekt bietet eine ausbaufähige Grundlage dafür.